Ich suche in der Dunkelheit,
einen schmalen Weg,
eine Brücke, einen Steg.
Etwas, das mich nur voran
und nicht rückwärts treibt,
das mir, selbst wenn ich
wanke,
noch erhalten bleibt.
Nicht wie diese Finsternis,
die mir meinen Halt,
meine Gestalt
entriss.
Ich suche einen Körper,
der nicht leblos, nicht so lieblos,
nicht so hilflos scheint,
der wenn alle lachen
nicht alleine weint.
Ich suche eine Seele,
frei von Verzweiflung,
frei von Schmerz,
eine
gesunde Seele, für
mein krankes Herz.
Oder hatten wir das schon?
Veröffentlicht in Gedichte am Mittwoch, 26 Dezember 2007 von mabelrodeEin Hoch auf..
Veröffentlicht in Gedichte am Samstag, 10 November 2007 von mabelrodeHermann Hesse – Ewiges ist nicht auf Erden
Jede Blüte will zur Frucht,
Jeder Morgen Abend werden.
Ewiges ist nicht auf Erden,
Als der Wandel, als die Flucht.
Auch der schönste Sommer will
Einmal Herbst und Welke spüren.
Halte, Blatt, geduldig still,
Wenn der Wind dich will entführen.
Spiel dein Spiel und wehr dich nicht,
Lass es still geschehen.
Lass vom Winde, der dich bricht,
Dich nach Hause wehen.
Tata.
Veröffentlicht in Gedichte am Donnerstag, 8 November 2007 von mabelrodeGeorg Heym – Der Krieg
Aufgestanden ist er, welcher lange schlief,
Aufgestanden unten aus Gewölben tief.
In der Dämmrung steht er, groß und unerkannt,
Und den Mond zerdrückt er in der schwarzen Hand.
In den Abendlärm der Städte fällt es weit,
Frost und Schatten einer fremden Dunkelheit,
Und der Märkte runder Wirbel stockt zu Eis.
Es wird still. Sie sehn sich um. Und keiner weiß.
In den Gassen faßt es ihre Schulter leicht.
Eine Frage. Keine Antwort. Ein Gesicht erbleicht.
In der Ferne wimmert ein Geläute dünn
Und die Bärte zittern um ihr spitzes Kinn.
Auf den Bergen hebt er schon zu tanzen an
Und er schreit: „Ihr Krieger alle, auf und an.“
Und es schallet, wenn das schwarze Haupt er schwenkt,
Drum von tausend Schädeln laute Kette hängt.
Einem Turm gleich tritt er aus die letzte Glut,
Wo der Tag flieht, sind die Ströme schon voll Blut.
Zahllos sind die Leichen schon im Schilf gestreckt,
Von des Todes starken Vögeln weiß bedeckt.
Über runder Mauern blauem Flammenschwall
Steht er, über schwarzer Gassen Waffenschall.
Über Toren, wo die Wächter liegen quer,
Über Brücken, die von Bergen Toter schwer.
In die Nacht er jagt das Feuer querfeldein
Einen roten Hund mit wilder Mäuler Schrein.
Aus dem Dunkel springt der Nächte schwarze Welt,
Von Vulkanen furchtbar ist ihr Rand erhellt.
Und mit tausend roten Zipfelmützen weit
Sind die finstren Ebnen flackend überstreut,
Und was unten auf den Straßen wimmelt hin und her,
Fegt er in die Feuerhaufen, daß die Flamme brenne mehr.
Und die Flammen fressen brennend Wald um Wald,
Gelbe Fledermäuse zackig in das Laub gekrallt.
Seine Stange haut er wie ein Köhlerknecht
In die Bäume, daß das Feuer brause recht.
Eine große Stadt versank in gelbem Rauch,
Warf sich lautlos in des Abgrunds Bauch.
Aber riesig über glühnden Trümmern steht
Der in wilde Himmel dreimal seine Fackel dreht,
Über sturmzerfetzter Wolken Widerschein,
In des toten Dunkels kalten Wüstenein,
Daß er mit dem Brande weit die Nacht verdorr,
Pech und Feuer träufet unten auf Gomorrh.
Alt.
Veröffentlicht in Gedichte am Samstag, 3 November 2007 von mabelrodeVerblendet, verstört, vom Volke verraten,
Verwirrt und verzweifelt der nutzlosen Taten.
Gerichtet, gefallen, von Schmerzen zerrissen,
gestürzt und gemieden, dem Leben entrissen.
Entehrt und enthauptet, vom Tode verstoßen,
enterbt und entartet, der Würde, der bloßen.
Und gleich weiter.
Veröffentlicht in Gedichte am Freitag, 2 November 2007 von mabelrodeJoachim Ringelnatz – Seemannstreue
Nafikare necesse est.
Meine längste Braut war Alwine.
Ihrer blauen Augen Gelatine
Ist schon längst zerlaufen und verwest. -
Alwine sang so schön das Lied:
„Ein Jäger aus Kurpfalz“
Wie Passatwind stand ihr der Humor.
- Sonntags morgens wurde sie bestattet
In der Heide, wo kein Bäumchen schattet,
und auch ihre Unschuld einst verlor.
Donnerstag grub ich sie wieder aus.
Da kamen mir schon ihre Ohrlappen
So sonderbar vor.
Freitags grub ich sie dann wieder ein.
Niemand sah das in der stillen Heide. -
Montags wieder aus. Von ihrem Kleide,
Das man ihr ins Grab gegeben hatte,
Schnitt ich eine Handbreit gelber Seide,
Und die trägt mein Bruder als Krawatte. -
Gruslig war’s: Bei dunklem oder feuchten
Wetter fing Alwine an zu leuchten.
Trotzdem parallel zu ihr verweilen
Wollt ich ewiglich und immerdar.
Bis schließlich an den weichen Teilen
Schon ganz anders und ganz flüssig war.
Aus. Ein. Aus; so grub ich viele Wochen.
Doch es hat zuletzt zu schlecht gerochen.
Und die Nase wurde blauer Saft,
Wodrin lange Fadenwürmer krochen. -
Nichts für ungut: das war ekelhaft. -
Und zuletzt sind mir die schlüpfrigen Knochen
Ausgeglitten und in lauter Stücke zerbrochen.
Und so nahm ich Abschied von die Stücke.
Ging mit einem Schoner nach Iquique,
Ohne jemals wieder ihr Gebein
Auszugraben. Oder anzufassen.
Denn man soll die Toten schlafen lassen.







